© Fotos: Peter Engelhardt

Sommelière Natalie Lumpp

Jeder Wein erzählt seine eigene Geschichte

von Peter Engelhardt
15. Januar 2020

Der Aufwand von Anfang an ist die entscheidende Grundlage für die Weinqualität

Die deutsche Weinkultur:

Sie hat seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert. Natalie Lumpp gilt als renommierteste Sommelière Deutschlands. Schon in der Antike berauschten sich die Götter am süffigen Rebensaft und manch folgenschwere historische Entscheidung in der Weltgeschichte wurde bei einem oder mehreren Gläsern Wein besiegelt. Und für den unvergessenen Udo Jürgens war es das „Blut der Erde.“

Waren es einst nur die klassischen Weinländer wie Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland so hat der Anbau längst seinen Siegeszug um den Globus angetreten. Weine aus Südafrika, Kalifornien oder Neuseeland sind ebenso in unseren Regalen zu finden wie aus Australien, China oder Argentinien. Insgesamt gibt es rund 100 Weinbauländer weltweit – das ist etwa die Hälfte aller Länder der Erde. Sie liegen hauptsächlich in den so genannten Rebengürteln, die sich grob zwischen dem 40. und 50. Breitengrad auf der Nordhalbkugel sowie zwischen dem 30. und 40. Breitengrad auf der Südhalbkugel erstrecken.

 

 

Natalie Lumpp auf dem Weingut Schloss Eberstein
© Fotos: Peter Engelhardt

Die Welt der Weine

Die beiden wichtigsten natürlichen Voraussetzungen für den Weinbau sind ein gemäßigtes Klima und geeignete Bodenverhältnisse. Die Klimaausprägungen ergeben sich aus der Abfolge und dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Wind. Hinsichtlich des Bodens sind vor allem der Nährstoffgehalt und die Wasserversorgung wichtig, die sich maßgeblich aus der geologischen Zusammensetzung ergeben. Ob sich eine Region klimatisch für die Kultivierung von Weinreben eignet, sagt die Weinbauwürdigkeit aus, die wissenschaftlich untersucht und ermittelt wird.

Noch ausführlicher, sowohl wissenschaftlich wie auch emotional,   gepaart mit vielen Jahren Berufserfahrung kann Natalie Lumpp zu dieser umfassenden Thematik Auskunft geben. Die gebürtige Freiburgerin ist die wohl bekannteste deutsche Sommelière Deutschlands. Im sonnigen Freiburg aufgewachsen bekam sie den badischen Wein quasi mit der Muttermilch: „Bei uns gab es zum Essen immer ein Schlückle“, hat sie schon in früher Kindheit hin und wieder den Rebensaft gekostet. Und obschon sie schon in jungen Jahren geschmacklichen Gefallen fand an den vielfältigen Nuancen des Weines war ihr ursprünglicher Berufswunsch doch ein ganz anderer. „ Ich habe eine Ballettausbildung gemacht und Musical getanzt. Mein Vater war Opernsänger und so sollte wohl auch ich die musische Richtung einschlagen.“

Doch die Welt der Weine zog Natalie Lumpp mehr und mehr in ihren Bann. „Dass Weine jedes Jahr anders schmecken das fand ich schon als junges Mädchen spannend.“ Flugs wurden die Ballettschühchen an den berühmten Nagel gehängt und fortan wurden die Reben und deren Ergebnis ein ständiger Begleiter in ihrem Leben. Schon kurz nachdem sie den Führerschein gemacht hatte fuhr sie ins französische Burgund um den berühmten Pinot Noir näherkennenzulernen. Nach ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau im Jahre 1989 arbeitete sie sowohl in der Traube Tonbach (gemeinsam mit keinem Geringeren als Harald Wohlfahrt) wie auch im Hotel Bareiss. Beide Schwarzwälder Restaurants gehören seit Jahrzehnten zu den berühmtesten Feinschmeckerstuben der Republik. Mit 21 Jahren nahm sie an ihrem ersten Weinwettbewerb teil und belegte sogleich den dritten Platz. Es galt innerhalb zwei Tagen hundert Weinsorten zu beurteilen auf Jahrgang, Rebsorte und Qualitätsstufe: „Damals war ich die einzige Frau unter allen Teilnehmern. Der Beruf des Sommelièrs war zur dieser Zeit noch eine Männerdomäne.“

 

Chef-Sommelière im Hotel Bareiss

Die passionierte Weinliebhaberin machte sich jedoch geschwinden Schrittes einen Namen in dieser Berufssparte. Beim Weinwettbewerb 1993 stand sie auf dem Siegertreppchen und wurde im selben Jahr Chef-Sommelière im Hotel Bareiss und im Jahr 2000 machte sie sich selbstständig. „Wein erleben!“ heißt ihr Unternehmen mit Sitz in Baden-Baden. Mit diesem organisiert sie Weinseminare und Reisen und ist als Weinberaterin und Autorin tätig. Sie ist freie Mitarbeiterin bei zahlreichen Wein- und Gourmet-Zeitschriften und hat auch schon zahlreiche Bücher veröffentlicht. „Ich bin immer schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht und bin auch viel auf Reisen.“ Selbst die gemeinsamen Familienurlaube wie jüngst nach Südamerika, ordnen sich oftmals nicht zufällig ausgeklügelten Weinrouten unter.

Was fasziniert Natalie Lumpp an dem Getränk, welches sogar schon von den alten Sumerern verköstigt wurde? „Es ist ja nicht nur der Wein alleine. Es ist die Geschichte, die Menschen, ihre Kultur und die Region in der sie leben. Mich interessiert wo der Wein zuhause ist“, gerät sie bei dieser Definition ins Schwärmen. Und wie weiß man welcher Wein zur entsprechenden Veranstaltung passt? Wie begeistert man Menschen für Weine? „Man muss viel über den Wein und seine Geschichte erzählen, über Entstehung und Herkunft. Die Menschen mit Weingeschichten in den Bann ziehen, so kann man die Leute abholen.“ Seit vielen Jahren empfiehlt Natalie Lumpp auch die Weine für das Radio Regenbogen Harald Wohlfahrt Palazzo in Mannheim. „Für so eine Veranstaltung muss man Weine mit gutem Trinkfluss empfehlen. Leicht und unkompliziert.“

Neben den mediterranen Weinländern wie Italien, Spanien oder Frankreich hat sich auch die deutsche Weinszene deutlich gewandelt: „Gerade der Weißwein hat sich hierzulande zur einer echten Domäne entwickelt“, weiß Natalie Lumpp zu berichten. Weltweit ist sie geschäftlich mit vielen Weingütern verbunden und so hat sie global natürlich beste Vergleiche: „Je heißer die Region, desto kräftiger der Wein. Auf Sizilien oder in Andalusien sorgen intensive Sonne und optimale Bodenbeschaffenheit für intensive und trockene Weine. “Bedingt durch den zunehmenden Klimawandel ist zu viel Sonne gerade in unseren Breitengraden nicht sonderlich förderlich: „Keine Nation ist im Weinkonsum so vielfältig wie die Deutschen. Wir genießen den Pinot Noir genauso wie den Riesling oder den Weißburgunder.“

Seit vielen Jahren arbeitet Natalie Lumpp schon mit dem Weingut Schloss Eberstein zusammen. Jürgen Decker, Inhaber des Weinguts bietet eine ganze Reihe ausgewählter Rebsorten an. „Gerade der Riesling oder eben der Spätburgunder entwickeln sich hier ideal. Es sind typische Weine aus der Ortenau-Region, sie werden von ausreichend Sonne verwöhnt und gedeihen auf einem lockeren Boden“, beschreibt Jürgen Decker seine Reben. Auf dem 7,5 Hektar großen Weinberg, majestätisch thronend an den Steilhängen des Murgtal ist die geografische Lage geradezu ein Eldorado für die edlen Rebsorten. „ In Italien, Frankreich oder Spanien gehört der Wein längst schon zum Lifestyle, er definiert eine entspannte und fröhliche Lebensphilosophie. Deutschland hat es erst in der jüngsten Vergangenheit geschafft den einstigen Kellermuff abzulegen. Heute hat auch die Weinszene einen durchgängig volkstümlichen Stellenwert.“

Wann werden denn nun die Grundlagen für einen guten Wein bzw. einen guten Jahrgang geschaffen? Wie in vielen Punkten zuvor herrscht auch hier Einigkeit zwischen Winzer und Sommelière: „Der Aufwand von Anfang an ist die entscheidende Grundlage für die Weinqualität. Diese wird im Weinberg gelegt. Die nahezu tägliche Laubarbeit am Rebstock ist essentiell. Man muss die Triebe zähmen, zu viele Triebe kosten den Rebstock zu viel Kraft. Je mehr man die Kraft der Traube komprimiert, desto intensiver ist der Geschmack und ertragreicher die Ausbeute. Das zählt und das entscheidet am Ende auch über Bekömmlichkeit und Qualität. „Dieser Zusammenhang ist unmittelbar“, erklärt Jürgen Decker, seit 2012 verantwortlich für das Weingut das Einmaleins der guten Traubenpflege.

Und wenn die zahlreichen Gäste ab Oktober im Spiegelzelt des Radio Regenbogen Palazzo in Mannheim zu Artistik und Comedy und dem fantastischen Viergängemenü von Sternekoch Harald Wohlfahrt edle Rebsorten genießen dürfen, dann kann man es wieder einmal mit einem Zitat des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe halten. „Das Leben ist zu kurz, um schlechte Weine zu trinken.“ (pe)

Weitere Infos

www.natalie-lumpp.de

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