Die faszinierende Welt der vierrädrigen Oldtimer

Sie ziehen bewundernde, ja fast schon ehrwürdige Blicke auf sich, sie entlocken den offenen Mündern ein vielfaches „Aaah“ und „Oooh“ . Sie sind eine Klasse für sich: die faszinierende Welt der vierrädrigen Oldtimer.

Edel glänzen ihre Chromfelgen, im hochpolierten Lack spiegelt sich der Stolz ihrer Besitzer und nahezu ein jeder dieser ehrwürdigen Karossen hat sein eigenes Charisma. So kommt es nicht von ungefähr, dass weltweit in unzähligen Vereinen und Clubs vornehmlich Kind gebliebene Männer diesem Hobby frönen.

Die Kommunikation mit Gleichgesinnten, das gemeinsame Zeit verbringen auf Oldtimerrallyes, das Treffen auf Ausstellungen, Floh-und Fachmärkten, der verbale Austausch des so ganz speziellen „Schrauberlateins“ – das sind die wesentlichen nie versiegenden Quellen inmitten einer Welt voller Freude und Besitzerstolz.

In Deutschland, einer wahren Hochburg von Schmuckstücken aus vergangenen Tagen sind die „Oldtimerfreunde“ vereint in den sogenannten Landesgruppen der Allgemeinen Schnauferl Clubs (ASC). Fast jedes Bundesland hat einen eigenen Verein. Die Landesgruppe 1, der Allgemeine Schnauferlclub Baden-Württemberg-Pfalz-Saar e.V. trägt als einziger Schnauferlclub den Zusatz Tradition, da er durch die Gründung im Mai des Jahres 1900 (in den ersten Jahren fungierend als Internationaler Auto-Spargel-Club) der erste war in deutschen Landen und keiner Geringerer als der „Vater des Automobils“ Carl Benz gehörte zu seinen Gründungsmitgliedern.

Ursprünglich war der ASC ein reiner Gesellschaftsclub von automobil affinen Männern. Im Laufe der Jahre hat er sich zu einem Oldtimerclub gewandelt. Heute liegt seine Kernkompetenz in Autos der Vorkriegszeit.

Insgesamt zählen die fünfzehn bundesweiten Landesgruppen 1500 Mitglieder, die Landesgruppe Tradition hat 220. Seit vier Jahren ist Hans-Gert Schweigert Präsident. Seine Leidenschaft für alte Autos kam ursprünglich eher aus dem Bereich der zweirädrigen Fahrzeuge. Seit frühester Jugend saß der heutige HNO-Arzt bei seinem Vater auf dem Motorrad und begeisterte sich als Jugendlicher für das Trialfahren. Mit fünfzehn erwarb er den Führerschein, fuhr Deutsche Meisterschaften und nahm auch an Weltmeisterschaften teil. Sein Vater fuhr einen Mercedes W 111 Coupé (auch bekannt als 280 SE) und endgültig geweckt wurde sein Interesse für vierrädrige Oldtimer mit dem familiären Erwerb eines cremefarbenen BMW 502, dem sogenannten legendären Barockengel. Dieses Fahrzeug ist heute in seinem Besitz.

Im ASC ist er seit dem Jahre 2004 und ein Leben ohne die charismatischen und wunderschönen Karossen ist für den 53-jährigen gar nicht mehr vorstellbar. „Das Auto hat sich ja ursprünglich aus der Kutsche weiterentwickelt und dieses natürliche intensive Fahrerlebnis hat sich bis heute erhalten. Wer mit seinem Oldtimer durch die Lande fährt, hat eine viel stärkere Wahrnehmung seiner Umgebung. Die Natur, die Gerüche, die ganze Fahrt erlebt man viel intensiver. Zudem bedeuten Ausflüge, sei es privat oder im Rahmen einer Rallye, eine enorme Entschleunigung. Gerade in unserer heutigen hektischen Zeit ist das ja schon gesundheitsfördernd.

In zahlreichen Oldtimer-Magazinen, speziellen jährlich erscheinenden Katalogen und inzwischen natürlich auch im Internet bietet sich ein sehr großer Markt für Oldtimer und sowie längst nicht mehr aktuelle Automarken aus dem In-und Ausland. Die Preise richten sich nach wie fast überall nach Angebot und Nachfrage, nach der Beschaffenheitslage in Sachen Ersatzteile und natürlich nach dem jeweiligen Zustand des Gefährts. Oldtimer sind längst nicht mehr nur etwas für prall gefüllte Geldbeutel. Wer selbst Kenner der Materie ist, also ein sogenannter Schrauber, ist oftmals im Vorteil.

Der technische Stand der heutigen Autoindustrie kommt in zahlreichen Bereichen auch den Oldtimern zugute: „Die Besitzer von Oldtimern haben heute die Möglichkeit technische Neuerungen zu nutzen, was natürlich keinen Eingriff in die optische Originalität ihrer Fahrzeuge bedeuten darf,“ so Hans-Gert Schweigert. Neben dem Besitz einer solchen anmutigen Karosse und den bewundernden Blicken hat sind natürlich auch Pflege, Wartung und der verbale Austausch unter den „Schnauferlbrüdern“ wichtige Komponenten. „Das Pflegen und der technische Erfahrungsaustausch machen jede Menge Freude. Man entwickelt ja zu seinem Gefährt eine intensive Beziehung und möchte dass es seinem Liebling jederzeit gut geht,“ teilen glücklicherweise die meisten Ehefrauen und Lebensgefährtinnen das Hobby ihres Mannes.

„Je älter das Auto, desto größer ist das Lächeln, das du den Menschen ins Gesicht zauberst“

Der ganze Stolz des ASC sind drei besondere Modelle: Einmal das Benz Velociped Comfortable, Baujahr 1898. Mit diesem „ersten Serienfahrzeug“ der Welt ist die Landesgruppe Tradiiton regelmäßig bei der „Veteran Car Run“. Die älteste Oldtimer-Veranstaltung auf dem Globus führt regelmäßig von London nach Brighton und ist nur für Autos zugelassen, die vor 1904 gebaut wurden. Ebenfalls im Besitz des ASC ist der Benz-Viktoria, eine Baureihe aus den Jahren 1893 bis 1902. Der Wagen kommt aus dem Nachlass von Fritz Held, einem Mannheimer Unternehmer, Schnauferlbruder und Freund von Carl Benz. Der dritte im Bunde ist ein französischer De Dion, Baujahr 1907.

Die meisten Besitzer der edlen Karossen sind in Deutschland Männer aus den Nachkriegsgenerationen, sie fahren Oldtimer vorwiegend Wagen aus den 50er, 60er und auch noch 70er Jahren. Doch wie ist es um den Nachwuchs bestellt? Haben sie noch eine emotionale Verbindung zu alten Autos? Können sie sich dafür noch begeistern?

Für Lars Kahl und Axel Vögele, beides Schnauferlbrüder von Hans-Gert Schweigert kein einfaches Thema: „Wir im Club sind ja bemüht junge Leute in unseren Verein zu bekommen, um sie „anzufüttern“ und zu begeistern für dieses wunderbare Hobby. Aber ein gewisses Grundinteresse muss vorhanden sein, man muss sich dafür begeistern wollen.“

Axel Vögele, als Inhaber der Werkstatt Classic Car Garage 17 in Schriesheim selbst Besitzer einiger schöner Oldtimer hat mit seinem technisch interessierten Sohn „Nachwuchs“ aus den eigenen Reihen generiert, doch die wenigsten Jugendlichen machen heute noch die klassische Kfz-Schlosser Ausbildung. Heute heißt das Mechatroniker und der Schwerpunkt liegt in vornehmlich im technisch-digitalen Bereich des Autos. „Unser Ziel und unser Ansporn ist es die Tradition mit in die Zukunft zu nehmen,“ bringt es Lars Kahl auf den Punkt. Mit zahlreichen gesellschaftlichen Veranstaltungen während des Jahres sowie einer immer besseren Außendarstellung (besonders auch in den digitalen Medien) möchte die ASC Landesgruppe Tradition auch in Zukunft junge Menschen für Raritäten und ein Kulturgut begeisten, welches durchaus als Bewahrer einer großartigen Vergangenheit verstanden werden kann.

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