JRE Stars on Tour in Südamerika Vergessen Sie Alles! …was Sie über gutes Essen wissen.

Kochen ist ‚in‘, gut essen ist in Mode. Das belegen neben den zahlreichen Kochshows im TV auch die gut besuchten Restaurants gehobener Klasse. Natürlich esse ich auch gerne gut und manchmal leider zu viel, was mir meine Badezimmerwaage ständig vor Augen hält. Und gegen ein gutes Tröpfchen Wein haben wir ja wohl alle nichts einzuwenden. Also schlug ich natürlich sofort ein als mich mein Freund, der Sternekoch und Schlossgastronom Martin Scharff, auf ‚seinem‘ Heidelberger Schloss fragte, ob ich nicht mit einem Dutzend Sterneköchen, einigen Wein- und Genussexperten, eine kulinarische Reise durch Südamerika mitwachen wolle, um diese in Wort, Bild und Video festzuhalten.

Was ich dann erleben durfte, sprengt jede Vorstellungskraft. In 12 Tagen legten wir 40.000 Flugkilometer zurück, bereisten acht Städte (Rio de Janeiro, Iguazu, Buenos Aires, Mendoza, Santiago de Chile, Cusco, Lima und Bogota) in fünf Ländern (Brasilien, Argentinien, Chile, Peru und Kolumbien) und besuchten viele der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten wie den Zuckerhut, den Corcovado, den Karneval in Rio, die Wasserfälle von Iguazu sowie als absolutes Highlight die sagenumwobenen Inka-Kultstätte Machu Picchu.

Liest sich jetzt nicht so, aber eigentlich war das ja eine ‚Dienstreise‘. In einigen der ‚Southamericas Top 50 Restaurants‘ und Spitzenweingütern wollten die Sterneköche der JRE (Jeunes Restaurateurs Europe), zum 25jährigen Jubiläum der Vereinigung, die aktuellsten Trends der südamerikanischen Küche und die besten Weine kennenlernen und studieren. Zu unserer ebenso erlesenen wie illustren Reisegruppe zählten unter anderem die Sterneköche Markus Gass (Restaurant Adler Hurden), Martin Herrmann (Hotel Dollenberg), Eduard Jaisler (Culinary Agency Jaisler), Frank Oehler (Speisemeisterei Stuttgart), Martin Scharff (Heidelberger Schloss), Hans Stefan Steinheuer (Steinheuer Heppingen), Rolf Straubinger (Burg Staufeneck), Bernd Werner (Schloss Eberstein) und Dominik Wetzel (TransGourmet). Dazu die Weinspezialisten Bernd Hummel (Weingut Hummel), Matthias Fehser (Weinhaus Fehser) und Remco Hoppezak (Traubenliebe). Insgesamt tourten wir mit knapp über fünfzig ‚Mann & Frau‘ durch Südamerika und das von Martin Scharff, Matthias Fehser und Rainer Hujer (Südamerika Lines) in langwieriger Detailarbeit zusammengestellte Programm ließ nur wenig Zeit zum Luftholen. Vormittags eine Sehenswürdigkeit, mittags ein Top-Restaurant, danach ein Spitzenweingut, dann wieder ein Restaurant… So und ähnlich sah unser tägliches Gourmet-Programm aus. Dazu kamen die ganzen Transfers und Flüge. Meist hieß es bereits früh um vier ‚raus aus den Federn‘ und dann sahen wir die exklusiven Hotelzimmer erst wieder gegen Mitternacht. Genussstress pur, also. Aber das ist jammern auf höchstem Niveau, denn das Gesehene, Gegessene und Getrunkene war mehr als nur Entschädigung für die Reisestrapazen: Das war einmalig, exklusiv, nicht wiederholbar! Und bleibt als absolut außergewöhnliche Erinnerung und Stoff für viele Anekdoten ein Leben lang abrufbar!

Bilderquelle: Frank Schlageter

Hier nur einmal zwei Genussbeispiele zum ‚Reinschnuppern‘: Das Maido in der peruanischen Hauptstadt Lima ist die Nummer eins auf der Liste der 50 besten Restaurants in Südamerika. Hier wird uns ein Konzept-Menü zum Thema Amazonas serviert. 14 Gänge mit so ziemlich allem, was am Amazonas kreucht und fleucht. Plötzlich schauen mich aus der Steingutschüssel vor mir vier Piranhas mit weit aufgerissenen Mäulern an, als ob sie mit ihren gefährlich scharfen und spitzen Zähnchen jeden Moment zubeißen wollten. Gerade noch rechtzeitig, bevor ich mich mit Messer und Gabel wehren will, erklärt die freundliche Bedienung, dass es sich hierbei nur um die Tischdekoration handelt. Und mal so zur Info: Dieses Menü kostet 250 US-Dollar, die gut 100 Plätze im Maido sind jeden Tag sowohl am Mittag als auch am Abend ausgebucht. Der derzeit angesagteste Koch weltweit heißt Virgilio Martinez. Seinen neuesten Gourmet-Tempel, das MIL, hat er auf 3.680 Metern Höhe in die peruanischen Anden gebaut. Aus der nächstgelegenen Stadt, der ehemaligen Inka-Hochburg Cusco, benötigt man mit dem Auto oder dem Bus mindesten 90 Minuten Fahrzeit über beschwerliche, kaum befestigte Straßen und gefährlich anmutende Serpentinen. Belohnt wird man mit einem atemberaubenden Panoramablick. Und natürlich mit erlesenen Produkten, die Martinez ausschließlich von den ansässigen Bauern bezieht. Auf meine Frage, wer denn überhaupt hierher findet, antwortet Martinez nur mild lächelnd „Unsere Gäste kommen aus der ganzen Welt, wir sind bis September ausgebucht.“ Solche Geschichten ließen sich nun im Dutzend erzählen. Wie hat schon meine Oma gesagt: ‚Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen.‘ Das trifft auf diesen einmaligen Ausflug in die Genusswelt Südamerikas in ganz besonderem Maße zu.

Text: Frank Schlageter

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)

Kommentare

Wanderung auf dem N...

= Ausflüge =

Wanderungen für Kin...

= Ausflüge =